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wie soll ich angesichts niedriger Zinsen für mein Alter vorsorgen?

Lieber Herr O.,

das ist eine ernste und wichtige Frage! in dem Artikel den Sie mir geschickt haben, wird das Dilemma anschaulich beschrieben.

Die Kernaussagen fasse ich noch mal zusammen:

  • die Altersversorgung der Deutschen (bisher hauptsächlich durch die gesetzliche Rente) sinkt weiter
  • über die privaten Renten (Riester, Rürup, Lebensversicherung) liest man nur Schreckensnachrichten, was einem die Vorsorge verleidet
  • auch mit Immobilien und Aktien hat in den letzten 10 Jahren kaum jemand Gewinn gemacht
  • und auf dem Bankkonto schmelzen die Guthaben ebenfalls dahin
  • Nichtstun fühlt sich besser an
  • an den Wertpapiermärkten scheinen altbekannte Regeln nicht mehr zu gelten, es gibt mehr Verluste als Chancen
  • Gebühren und Steuern tun ein Übriges zum Aufzehren der Rendite

Fazit des Spiegel:  Altersvorsorge (=Konsumverzicht) ist unangenehmer als ein Zahnarztbesuch

Bevor ich mich der Frage zuwende, ob diese Aussagen in jedem Fall stimmen, fasse ich noch die Aussagen des zweiten Artikels zusammen, auf den verwiesen wird.

In dem zweiten Artikel wird nämlich gesagt, wie es geht, trotzdem mit Kapital gute Gewinne zu machen.

Ein sich selbst als übergewichtig outender Finanzjournalist sinniert hier, wie man mit einer einfachen Lösung den mageren und unkalkulierbaren Gewinnen von Geldanlagen an der Börse ein Schnippchen schlagen kann. Aber vorher fasst er die 3 Lehren aus einer nicht näher genannten Analyse der Credit Suisse zusammen, in der Extremszenarien seit 1900 untersucht und ernüchternde Erkenntnisse publiziert wurden:

  1. niedrige Zinsen sind keine Seltenheit
  2. Aktien und Anleihen haben ihre „fetten Jahre“ hinter sich
  3. in den kommenden Jahren kann man nur mit 3-3,5 % Rendite rechnen.

Kommen jetzt noch (eher steigende) Gebühren  und Steuern hinzu, würde die Rendite gegen 2 % oder weniger schrumpfen.

Und nun hält der Autor nicht hinterm Berg mit seiner verblüffendem Lösung, einer 75/25-Strategie:

  •  75 Prozent des Geldes kommen auf ein gut verzinstes Tagesgeldkonto,
  • 25 Prozent werden über zwei bis drei Aktien-Indexfonds mit dem Anlageschwerpunkt Europa und Schwellenländer verteilt.

Er erklärt noch, wie man nur zum richtigen Zeitpunkt zwischen Tagesgeldkonto und Aktien umschichten muss – und schon hat man das Risiko verringert und verdient ordentlich Geld :-)!

Warum nur machen es so wenige Menschen wie er?

 WAS HABEN SIE AM 11.8.2009 GEMACHT?

Haben Sie umgeschichtet, kurz bevor der Dax gerade 10 % PLUS gemacht hat? oder waren Sie etwas spät dran und haben erst am 28.8.2009 gekauft? und erstmal 5 % verloren?

Haben Sie am 27.7.2011 erkannt, dass Ihr Dax-ETF in den nächsten 10 Tagen 25 % verlieren wird? Oder waren Sie grad im Urlaub?

OK. Dann – wie wärs mit einem Sparplan?

Schon besser.

Sie kaufen jeden Monat und – dank cost average effect – spielen sich die Schwankungen (Volatilität) nach einigen Anfangsjahren überwiegend im Plus ab (wenn Sie nicht ganz daneben gegriffen haben).

Der Klassiker unter den Ökoaktienfonds ÖkoVision erreichte 3,61 % Rendite p.a. in den letzten 10 Jahren. Zu wenig (der Fonds ist mit 2,48 % auch zu teuer) sagen die Kritiker. Aber 100 % GRÜN sagen die Fans.

Gut, dann den (fast) gebührenfreien ETF iShares DAX (R) (DE). Er hätte 6,29 % Wertgewinn p.a. erreicht. Hoppla, hiess es nicht 6 % gehen gar nicht mehr? Allerdings sind über 20 % Volatilität nichts für jedermanns geruhsamen Schlaf. 

Vielleicht hatten Sie einen „blickigen“ Berater, der 2003 schon erkannte, dass Gesundheit DER Markt der Zukunft ist? Und Sie haben 10 Jahre monatlich in den BGF World Healthscience Fund investiert? dann wäre das Depot um 8,79 % p.a. gewachsen 🙂 🙂 Und das trotz 1,82 % Gebühren und weniger als 15 % Volatilität.

Oder wie wäre es mit dem Mischfonds PRIME VALUES Growth (Euro)? unter 8 % Volatilität und trotzdem 4,52 % p.a. 🙂 Aber unter dem Gesichtspunkt von Gebühren (2,62%!) hätten Sie ihn nicht wählen dürfen.

Selbst der scheinbar in die Jahre gekommende „Vater aller Mischfonds“ Carmignac Patrimoine A EUR acc erreichte als Sparplan in den letzten 10 Jahren eine jährliche Rendite von 5,83 %! (und das bei internen Kosten von 1,68 %). Und dabei konnten Anleger auch noch gut schlafen! Die Vola betrug keine 7 % p.a.!

Die kostengünstigen ETF´s (i.d.R. reine Abbildungen der jeweiligen Märkte, meist ganz ohne Management) kommen als Anlageinstrument im Sparplan tatsächlich ganz gut weg.

NUR was ist mit dem Guthaben eines Sparplans, welches sich mit der Zeit aufbaut? WER KÜMMERT sich um dessen Werterhalt? Wenn der DAX ETF 40 % Wert verliert, braucht es 80 % Rendite, um erst mal wieder auf Null zu kommen!! Hier geben selbst viele Profis auf.

Der Wert von gemanagten (Misch)Fonds ist vor allem, bei fallenden Märkten nur wenig Wert zu verlieren und in steigenden Börsenzeiten moderate Gewinne zu erreichen, so dass aktuell unterm Strich 4-6 % p.a. (NACH Inflation 2-4 %) bleiben.

Das ist zwar weniger, als wir gern hätten, aber besser als – 1 % auf dem Tagesgeldkonto, verbunden mit ungewissen Chancen beim Direktzocken.

Ich schliesse philosophisch mit einer Weisheit meiner bäuerlichen Mutter ab:

Welchen Gewinn eine Entscheidung später bringt, wird immer ungewiss bleiben. Sicher ist nur eins: wer nichts tut, hat später auch nichts (Glückspilze ausgenommen). 😉

 

PS: Welchen Wert die Beachtung steuerlicher Förderung für die Rendite hat und ob ALLE Rentensparverträge so schlecht sind, wie die Medien vermuten lassen, lesen Sie bitte hier.

 

 

 

3 Kommentare » | Geld anlegen und investieren, Philosophisches